VIA STOCKALPER - Stockalperweg

Der STOCKALPERWEG verbindet Brig im Schweizer Kanton Wallis mit Domodossola in Italien durch das Simplontal: der Weg gehört zu den 12 national bedeutenden Kulturwegen der Schweiz und folgt der Handelsroute, die von einer der außergewöhnlichsten Persönlichkeiten der Geschichte dieser Region angelegt wurde: Kaspar von Stockalper.
Der bedeutende Kaufmann, Unternehmer und Politiker aus dem Wallis des XVII. Jahrhunderts, Barone Stockalper, sprach fließend fünf Sprachen und besaß Weiden, Almen und Bergwerke. Von seinem Palazzo in Brig aus, den er zu einem prächtigen Schloss ausbauen ließ, kontrollierte er den Handel mit Antwerpen, Paris und den Kanalhäfen des Ärmelkanals im Norden sowie Mailand im Süden. Er restaurierte die alte Verbindungsroute über die Alpen und stattete sie mit Brücken und Schutzhütten aus, damit die Warenkarawanen den Pass selbst im Winter überqueren konnten. Dadurch entwickelte sich der Weg zu einer der bedeutendsten Handelsverbindungen Europas.
Kaspar von Stockalper wurde 1609 in Brig in eine bereits sehr wohlhabende Familie geboren, die vermutlich italienischer Herkunft war. Der Wohlstand seiner Familie ermöglichte ihm ausgedehnte Reisen durch ganz Europa. Auf diesen Reisen schuf er die Grundlagen für seine späteren Handelsgeschäfte. Seine Sprachkenntnisse erwiesen sich dabei als außerordentlich hilfreich im Umgang mit den verschiedenen europäischen Höfen. In den Jahren zwischen 1665 und 1670 erzielte sein Handelsunternehmen Einkünfte, die dem Vierfachen der gesamten Einnahmen des Kantons Wallis entsprachen. Sein Vermögen würde heute auf rund 450 Millionen Euro geschätzt; er war Eigentümer sämtlicher Bergwerke des Wallis und beschäftigte insgesamt etwa 5.000 Arbeiter. Wenn man vom Simplonpass nach Brig hinabfährt, kann man auf der rechten Seite kaum das große graue Gebäude mit seinen drei hohen Türmen, deren Architektur entfernt an den orientalischen Stil erinnert, übersehen: dieser Bau war Stockalpers gewöhnlicher Wohnsitz, zugleich aber auch Lagerhaus und Umschlagplatz für alle Waren, die entweder für Italien oder Mitteleuropa bestimmt waren. Die wichtigste Einnahmequelle Stockalpers war das Monopol auf den Warenverkehr über den Simplonpass. Dank der starken Zunahme dieses Handels erlebte die lokale Bevölkerung endlich eine Zeit des wirtschaftlichen Wohlstands. Deshalb wurde Baron Stockalper selbst in schwierigen Zeiten von der Walliser Bevölkerung stets als Wohltäter angesehen.
Seine anhaltenden Erfolge weckten jedoch den Neid der politischen Adelsfamilien des Wallis, die weder mit seinem Lebensstandard noch mit seinem politischen Einfluss konkurrieren konnten. Schließlich wurde Stockalper als Verräter verurteilt und man bestrafte ihn mit einer äußerst hohen Geldstrafe und dem Entzug all seiner Besitztümer. Stockalper begab sich freiwillig ins Exil nach Domodossola, wo er mit allen Ehren empfangen wurde und wo er sich ein Haus auf dem Sacro Monte Calvario errichten ließ. Nach fünf Jahren kehrte er 1685 nach dem Tod eines seiner politischen Gegner in seine Heimat zurück; zu seiner Überraschung war seine Beliebtheit bei der Bevölkerung unvermindert geblieben. Er starb 1691 im Alter von 82 Jahren; seine sterblichen Überreste ruhen heute in der Kirche von Glis, in der Nähe von Brig.
Der STOCKALPERWEG beginnt am Stockalperschloss in Brig (Schweiz). Von dort führt er hinauf zum Simplonpass, anschließend hinab nach Simplon Dorf und weiter bis Gondo. Hier beginnt der Weg nach Domodossola entlang der Variante Stockalperweg Bognancotal, die der historischen „Via del Monscera“ folgt. Von Gondo steigt der Weg zunächst durch das Zwischbergental hinauf zum Monscerapass (2.103 Metern über dem Meeresspiegel) und führt danach in das Bognancotal hinunter bis nach Domodossola. Seinen symbolischen Abschluss findet der Weg am Sacro Monte Calvario, der zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Hier lebte Baron Stockalper während seines Exils.
Die „Via del Monscera“ war in früheren Zeiten ein strategisch bedeutender Verkehrsweg: über den Monscerapass drangen mehrfach Walliser Truppen in das Ossolatal ein. Vor allem gilt jedoch als gesichert, dass eine bedeutende Persönlichkeit, Papst Gregor X. im Herbst 1275 diesen Pass überquerte. Er befand sich auf der Rückreise vom Zweiten Konzil von Lyon nach Rom: aus Dankbarkeit gegenüber der einheimischen Bevölkerung, die ihm beim schwierigen Übergang über den Alpenpass geholfen hatte, schenkte der Papst der Gemeinde eine Pergamenturkunde von außerordentlichem historischem und religiösem Wert, nämlich die päpstliche Bulle „Transiturus“, die Papst Urban IV. im Jahr 1264 erlassen hatte und mit der das Fronleichnamsfest (Corpus Domini) eingeführt wurde. Dieses bedeutende Dokument wurde erst in den 1960er Jahren im Pfarrarchiv der Kirche San Lorenzo wiederentdeckt.
Dank der Maßnahmen, die im Rahmen des Interreg-Projekts „Stockalperweg“ VI-A Italien–Schweiz 2021–2027 durchgeführt werden, wird die Route künftig auch entlang des Stockalperwegs Divedrotal wieder vollständig durchgehend begehbar sein. Es entsteht ein sehr interessanter und landschaftlich reizvoller und kulturhistorisch bedeutender Weg, der Gondo (Schweiz) mit Paglino und Iselle (Italien) verbindet und weiter über Trasquera, Varzo und Crevoladossola bis nach Domodossola führt. Dabei werden bereits bestehende wunderschöne historische Wegabschnitte miteinander verbunden.
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Credits:
Distretto Turistico dei Laghi - ph. Marco Benedetto Cerini e Adriana Oberto
Brig Simplon Tourismus AG - ph. Pascal Gertschen
46.1154217, 8.2964016
46.1154217, 8.2964016
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